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Betrieb & Business

Salon gründen oder bestehenden kaufen?

Von Jan Vancak· Gründer von YourSalon6 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort: Wenn Sie die Marke nach Ihren Vorstellungen formen wollen und Zeit sowie Nerven für einen langsamen Aufbau haben, gründen Sie neu. Wenn Sie ab dem ersten Tag Umsatz, eine fertige Kundschaft und einen laufenden Betrieb wollen — und einen höheren Einstiegspreis sowie das Risiko geerbter Probleme tragen können — erwägen Sie den Kauf eines bestehenden Salons. Beides kann funktionieren; jeder Weg steuert nur eine andere Art von Risiko.

Diese Entscheidung fällt noch vor Räumen und Ausstattung und prägt Ihr gesamtes Budget. Bevor Sie sich entscheiden, gehen Sie auch die allgemeine Checkliste zur Salon-Eröffnung durch, damit Sie wissen, was ohnehin auf Sie zukommt — ob Sie auf der grünen Wiese starten oder einen fremden Betrieb übernehmen.

Neugründung: Vor- und Nachteile

Wenn Sie einen Salon von Grund auf aufbauen, behalten Sie die volle Kontrolle. Sie wählen Lage, Grundriss, Marke, Preisliste und Team. Sie übernehmen nichts und reparieren nichts vom Vorgänger.

  • Vorteile. Niedrigerer Einstiegspreis (Sie zahlen nicht für Goodwill oder Kundschaft), eine saubere Marke ohne alten Ruf, Ausstattung und Abläufe nach Ihren Vorstellungen, Freiheit im Konzept.
  • Nachteile. Ein langsamer Start — der Kalender füllt sich allmählich. Keine Kunden, keine Bewertungen, kein Name. Die ersten Monate laufen im Minus, bis der Markt Sie findet.

Berechnen Sie ein realistisches Budget und einen Puffer im Voraus; dabei helfen was ein Salon zur Eröffnung kostet und wann ein Salon den Break-even erreicht.

Kauf eines bestehenden Salons: Vor- und Nachteile

Beim Kauf übernehmen Sie einen funktionierenden Organismus — Kunden, Team, Namen, einen eingerichteten Raum. Sie zahlen aber auch für das, was Sie nicht sehen.

  • Vorteile. Sofortiger Umsatz und Cashflow, eine fertige Kundendatenbank, eingearbeitetes Personal, eingespielte Abläufe, oft ein bewährter Standort mit Historie.
  • Nachteile. Höherer Preis (Sie zahlen für Goodwill), das Risiko geerbter Probleme — abwandernde Kunden, veraltete Ausstattung, ein schlechter Ruf, ein ungünstiger Mietvertrag. Und vor allem: Warum wird eigentlich verkauft?

Vergleichstabelle: gründen vs. kaufen

KriteriumNeu gründenBestehenden kaufen
EinstiegskostenNiedriger, aber ohne UmsatzHöher (Sie zahlen Goodwill)
Tempo des UmsatzesLangsamer AufbauUmsatz ab dem ersten Tag
KundschaftVon Null aufgebautFertig übernommen
PersonalEinstellen und einarbeitenOft Team übernommen
RufSauberes BlattGutes und Schlechtes geerbt
KonzeptfreiheitMaximalDurch Kundenerwartungen begrenzt
HauptrisikoKunden kommen nichtKunden gehen mit dem Vorbesitzer

Worauf beim Kauf zu achten ist

Bevor Sie etwas unterschreiben, prüfen Sie diese Punkte. Das meiste zeigt sich nur in echten Daten, nicht in der Präsentation des Verkäufers:

  • Kundenstamm. Wie viele aktive Kunden (ein Besuch in den letzten 6–12 Monaten), nicht nur Namen in der Liste. Wie hoch ist die Wiederkehrquote und wie stark hängt die Kundschaft an der konkreten Person, die geht?
  • Mietvertrag. Über welche Laufzeit, zu welchen Bedingungen, ist er auf Sie übertragbar? Ein Salon ohne stabilen Mietvertrag verliert einen Großteil seines Werts.
  • Zustand der Ausstattung. Alter von Stühlen, Waschplätzen, Geräten. Was muss bald ersetzt werden? Verdeckte Investitionen drücken einen „günstigen" Preis schnell.
  • Warum verkauft wird. Ein Ruhestand und ein ausgebrannter Inhaber sind zwei sehr verschiedene Geschichten. Fragen Sie, prüfen Sie und hören Sie auf das, was nicht gesagt wird.
  • Finanzen. Umsatz und Gewinn der letzten 2–3 Jahre, nicht mündliche Versprechen. Verlangen Sie Auswertungen und gleichen Sie sie mit der Realität im Kalender ab.

Bewertungsgrundlagen (nur als Richtwert)

In der Praxis wird ein kleiner Salon oft aus dem Jahresgewinn plus dem Wert des Sachvermögens bewertet. Die Multiplikatoren unterscheiden sich je nach Gewerbe, Lage und Stabilität der Kundschaft — nehmen Sie keine Zahl als Regel.

Beispiel (nur Illustration, setzen Sie eigene Zahlen ein): Angenommen, ein Salon weist einen Jahresgewinn von 24.000 € aus. Wird in diesem Segment etwa das Doppelte des Jahresgewinns gehandelt, ergibt das grob 24.000 € mal zwei, also 48.000 € für das „Geschäft". Rechnen Sie den realen Wert der Ausstattung hinzu, sagen wir 8.000 €. Der Richtpreis landet dann bei rund 56.000 €. Das ist rein modellhaft — lassen Sie den tatsächlichen Multiplikator von einem Steuerberater oder Bewertungsfachmann beurteilen und prüfen Sie die Zahlen anhand der Belege. In Deutschland wie in Österreich ist eine fachliche Bewertung dringend ratsam.

Bauen Sie ein Angebot nie auf einem einzigen Multiplikator aus dem Internet. Bewertung ist datengestütztes Verhandeln, keine Formel.

Due Diligence und Übergabe

Die sorgfältige Prüfung (Due Diligence) ist die Phase, in der aus „sieht gut aus" ein „ist geprüft" wird. Gehen Sie Steuererklärungen, Arbeitsverträge, Verbindlichkeiten, den Zustand der Ausstattung und Online-Bewertungen durch.

Ich würde Steuerberater und Anwalt hinzuziehen — Kaufvertrag, Mietübertragung und etwaige Schulden sind Bereiche, in denen ein Laienfehler teuer wird. Dies ist nicht der Ort zum Sparen. In Deutschland und Österreich gelten dabei teils unterschiedliche Form- und Steuervorschriften, klären Sie das fachlich.

Bevor Sie unterschreiben, sollten Sie klar haben, wie Sie den Betrieb weiterführen. Lief der Salon bislang über einen Papierkalender, ist der erste Gewinn, ein ordentliches Buchungssystem einzuführen und die Preisliste der Leistungen zu vereinheitlichen. Einen Plan dafür hilft Ihnen ein Businessplan für den Salon zu erstellen.

Übergabe der Kundendatenbank und Buchungen

Der Wert, für den Sie zahlen, ist zu großen Teilen genau die Kundschaft. Regeln Sie daher im Kaufvertrag, wie und in welchem Format der Vorbesitzer Kontakte und Besuchshistorie übergibt — und vor allem die rechtliche Grundlage, die Kunden danach anzusprechen.

  • Verlangen Sie einen Export der Datenbank in einem gängigen Format (etwa eine Tabelle), nicht nur Zugang zum alten System.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie eine Rechtsgrundlage haben, Kunden zu kontaktieren (Einwilligungen, Information über den Inhaberwechsel). Den Umgang mit personenbezogenen Daten unter der DSGVO klären Sie mit einem Fachmann.
  • Übertragen Sie offene künftige Buchungen, damit Kunden ihren Termin nicht verlieren.
  • Informieren Sie Kunden direkt nach der Übergabe über den Wechsel und bieten Sie einfache Online-Buchung an — das hält die Wiederkehrquote.

Wie Sie die Datenbank nach der Übergabe weiter ausbauen, behandelt wie man eine Kundendatenbank aufbaut.

Häufige Fehler

  • Blind kaufen. Für Kundschaft zahlen, ohne zu prüfen, wie viele Kunden wirklich aktiv sind und ob sie an den scheidenden Inhaber gebunden sind.
  • Mietvertrag ignorieren. Ein schöner Salon mit einem in sechs Monaten endenden Mietvertrag ist kein guter Kauf.
  • Goodwill überzahlen. Für einen Namen zahlen, den der Markt nicht mehr kennt, oder für einen vom Verkäufer geschönten Ruf.
  • Datenübergabe unterschätzen. Ohne saubere Datenbankübergabe und Einwilligungen verlieren Sie genau das, wofür Sie bezahlt haben.
  • Rechtliche Seite vernachlässigen. Verdeckte Schulden und Vertragsmängel zeigen sich erst nach der Unterschrift.

Schnelle Entscheidungs-Checkliste

  • Habe ich Budget und Puffer für beide Optionen realistisch berechnet?
  • Beim Kauf: Kenne ich die Zahl der aktiven Kunden und den Verkaufsgrund?
  • Ist der Mietvertrag stabil und übertragbar?
  • Sind die Finanzen der letzten 2–3 Jahre vom Steuerberater geprüft?
  • Weiß ich, wie ich Kundendatenbank und Buchungen rechtlich und technisch übernehme?
  • Habe ich ein System bereit, in das ich den Betrieb nach der Übergabe überführe?

Wenn Sie neu starten — oder direkt nach dem Kauf modernisieren — kommen Sie am schnellsten voran, indem Sie ein kostenloses YourSalon-Konto erstellen und die Online-Buchung aktivieren. Was enthalten ist, vergleichen Sie auf der Preisseite.

Was auch immer Sie wählen, entscheiden Sie auf Basis von Daten, nicht von Eindrücken. Die Gründung belohnt Geduld und einen niedrigeren Einstieg, der Kauf belohnt Vorsicht und gründliche Prüfung. Rechnen Sie beide Optionen mit Ihren eigenen Zahlen durch und unterschreiben Sie erst dann.

Häufige Fragen

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